Elina Lie. Vogelstimmen

Mit wenigen Strichen einer Ölkreide ist ein Vogel in einem Baum festgehalten. Die Striche sind schnell und sicher aufgetragen, die Kreide hinterlässt brüchige Spuren auf dem Papier. Der Himmel ist mit wässriger Farbe angelegt.

Ohne Titel (Detail), Ölkreiden und Wasserfarben auf Papier, 50×70cm

Was Elina Lie mag, sind Blumen, Tiere, Herzen und Luftballons.

Was Elina Lie außerdem mag, sind Fotografie und Malerei.

Elina Lie ist im Profil zu sehen. In ihrer Brille reflektiert das Licht und man kann nur erahnen, wohin sie blickt.

Elina Lie

Eine kleine Digitalkamera ist ihre ständige Begleiterin und das Malen ihre tägliche „ Aufgabe“. Die fotografisch und malerisch entstehenden Bilder sind mehr als Kunstwerke. Sie sind essenzielle Ausdrucksformen. Als nicht-sprechende, nicht-hörende und sehbehinderte Frau, zeigen Elina Lies Bilder Ausschnitte ihrer Welt und ihrer Weltwahrnehmung. Sie geben ihr eine Stimme und machen sichtbar, was sonst ungesagt und ungehört bleiben würde.

 

Die Bilder kommunizieren. Der Titel der Ausstellung „ Vogelstimmen“ weist auf diese Besonderheit hin. Im Laborfenster präsentiert Elina Lie eine Auswahl ihrer unterschiedlichen Vogelmotive. Naturbeobachtung, der Wandel der Jahreszeiten, Blumen und Tiere sind ihre große Leidenschaft und Freude. In ihren künstlerischen Arbeiten tauchen sie immer wieder auf. Sie machen sichtbar, was für sie bildwürdig und beobachtbar ist.

Durch die Art ihrer Darstellung, die Auswahl von Motiv und dessen Details (oder ihr Weglassen), zeigen sie uns ihre eigene Schöpfungsgeschichte. Diese setzt sie mit Kreiden und Wasserfarben in gegenständlicher und gleichzeitig freier, gestischer Malerei um.

Ein Vogel ist mit schnellen Kreidestrichen auf dem Papier festgehalten. er sitzt im Schilf. Der Hintergrund ist mit ebenso schnellen Pinselstrichen gemalt.

Ohne Titel (Detail), Ölkreiden und Wasserfarben auf Papier, 50×70cm

Elina Lie erhält in ihrem künstlerischen Prozess Begleitung. In dieser Kunstassisenz steht die Entwicklung des eigenen künstlerischen Ausdrucks im Vordergrund. Die Sensitivität für die Besonderheit von Wahrnehmung und Kommunikation sind dabei Schlüssel in der Zusammenarbeit. Das Entwickeln von Strategien zum Umgang mit bestehenden Barrieren sind wesentlicher Bestandteil. Kulturelle Teilhabe bleibt somit kein inflationär verwendeter Begriff, sondern wird zur Lebensrealität und gelebtem Alltag.

Carmen Kübler (Kunstassistentin)