Romana Meissner . Transparenz
Transparenz legt offen, Halbtransparenz oder „subtile Transparenz“ verbirgt, verschleiert. In ihrer aktuellen Ausstellung im LABORfenster zeigt die Reutlinger Künstlerin Romana Meissner Arbeiten im Dialog von Sichtbarem und Verborgenem und fordert damit unsere Wahrnehmung und Sichtweise heraus.
Fasziniert von Texturen, Oberflächen und Materialien aller Art arbeitet Romana Meissner experimentell in den Bereichen Malerei, Druckgrafik und textile Kunst mit dem Fokus auf Garn-Kunst.
Wie nehmen wir wahr? Was sehen wir, wenn wir sehen? Wie gehen wir mit „Nebulösem“, Unklarem um? Was macht der Satz „Das sehe ich anders“ mit uns?
Diese und ähnliche Fragen waren für Romana Meissner Ausgangspunkt und Motivation für eine Reihe von kleineren, objekthaften Werken, den Materialcollagen, wie sie sie nennt.
Romana Meissner in ihrem Atelier
Statt des üblichen Glasrahmens hält ein mit halbtransparentem Papier bespannter Keilrahmen all das zusammen, was sich an Material (Garne, Seile, kleine Stickbilder, Malerei, Häkelei) - zu einem Bild zusammengefügt - dahinter verbirgt. Manches scheint erkennbar durch, anderes wirkt angedeutet, schemenhaft – wer erkennt hier was? Und warum?
R. Meissner - DES KAISERS NEUE KLEIDER (III)_ IN ZEITEN WIE DIESEN. 2025
Auch ihr großformatiges Stickbild DES KAISERS NEUE KLEIDER/ IN ZEITEN WIE DIESEN lässt Raum zur Interpretation und Diskussion, obgleich das Werk ohne „Schleier“ daherkommt, also visuell völlige Transparenz vermuten lässt und damit offenlegt: Umrisse von Figuren, Wesen, Formen, gestickt mit verschiedenen Garnen (Brennnesselgarn, Baumwollgarn, Wolle). Transparenz, die ein absurdes Szenario an Bildern freilegt, wie wir es in den Medien bei jedem neuen Weltenbrand vor unseren Augen haben, Bilder, die wir in diesem Fall vielleicht gar nicht so klar, so vermeintlich transparent präsentiert haben möchten – oder doch?
In ihrer Arbeit mit unterschiedlichen Garnen knüpft Romana Meissner bewusst an ein traditionelles Kunsthandwerk an, das ihre Kindheit in Tschechien prägte: „Ich war als Kind umgeben von stickenden, strickenden, häkelnden und nähenden Frauen: meiner Mutter, meinen Tanten und Großmüttern“, erinnert sich die Künstlerin.
Durch Verfremdung, Abstraktion und Kombination mit anderen Techniken wie der Malerei oder der Druckgrafik rückt Romana Meissner diese Hand-Arbeit in den Bereich der zeitgenössischen Kunst.
Ausstellungsdauer:
16.5.2026 – 11.7.2026
Artist Talk: 21.6.2026, 13-15 Uhr
Kurzvita:
1962 geboren in der Tschechischen Republik
1970 Emigration in die BRD
1982 – 1989 Studium der Anglistik und katholischen Theologie an den Universitäten
Tübingen und Bangor (Wales/ UK)
seit 1992 intensive Beschäftigung mit bildender Kunst durch Selbststudium
und Weiterbildungen, u.a. am Kunstseminar Metzingen und im
Atelierhaus Reutlingen (Schwerpunkte Steinbildhauerei und Fotografie,
später Malerei, Zeichnung und Druckgrafik)
seit 2015 regelmäßige Ausstellungen im In- und Ausland
Werke in privaten Sammlungen in Europa und den USA.
Atelier: Kulturwerkstatt BT24, Albgut Münsingen
R. Meissner - HERZIG .2026